Die Grundschullehrerin

Im Interview

Die Grundschullehrerin

Debby spricht über die Vielfältigkeit des Alltags als Grundschullehrerin und ihre Leidenschaft für das Lernen. Sie betont die Wichtigkeit der Work-Life-Balance für Junglehrkräfte und beschreibt, wie sie den Beruf ihrer aktuellen Lebenssituation angepasst hat.

Debby

Über Debby

Ihre größte Leidenschaft ist das Lernen. Und Lernen bedeutet für Debby nicht nur Wissensvermittlung, sondern Persönlichkeitsentwicklung und beständige Horizonterweiterung.  Und das begleitet sie auch auf ihrem bisherigen Weg. Denn obwohl Debby zunächst mit dem Abitur, Lehramtsstudium und anschließendem Referendariat die klassischen Stationen  durchlaufen ist, zieht sich die Horizonterweiterung wie ein roter Faden durch ihre Biografie. Besonders wichtig war Debby in dem Zusammenhang immer das Reisen. Bereits im Studium hat sie ein Auslandssemester in Lettland gemacht. Nach dem Studium ist sie als Assistenzlehrkraft nach Singapur gegangen. 2021 hat Debby ihr Referendariat beendet und lebt aktuell in Argentinien. 

Im Referendariat hat sie einen Instagramaccount gestartet, auf welchem sie ihre Erlebnisse in dieser stressigen Zeit geteilt hat. Ihre Community ist gewachsen und mittlerweile begleitet sie auf diesem Wege andere Junglehrkräfte durch die Herausforderungen des Referendariats. Ihre Impulse hat sie in dem E-Book „Onboarding Referendariat“ gebündelt, welches vor wenigen Wochen herausgekommen ist.

Reingezoomt

Ein Arbeitstag

„Ein typischer Tag als Lehrerin beginnt früh. Um 7 muss man in der Regel an der Schule sein, bereitet dann noch etwas vor. Dann startet der Unterricht. Zwischendurch macht man Pausenaufsicht. Wenn mittags die Schule vorbei ist, endet der Arbeitstag noch lange nicht. Man hat Konferenzen, spricht mit anderen Lehrkräften, bereitet die Unterrichtsmaterialen vor, muss Anträge beantragen, telefoniert mit dem Jugendamt. Die Arbeit ist unglaublich vielfältig. Ich nutze sehr gerne den Vergleich, dass man als Lehrkraft halbtags selbstständig ist. Man kann beliebig viel Zeit investieren. Daher ist es für motivierte Junglehrkräfte umso wichtiger, irgendwann Feierabend zu machen.“

"Ich möchte das Feuer entfachen, gerne zu lernen. Denn dazu legt man in der Grundschule den Grundstein."

Debby

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Work-Life-Balance

„Im Schulbereich ist es unglaublich wichtig, die Schule nicht über alles zu stellen. Am Anfang versucht man, jedes Kind zu retten und den Unterricht immer noch mehr zu optimieren. Das wird irgendwann zu viel, weil die Grenzen verschwimmen.  Außerdem tendiert man als Lehrkraft dazu, auch krank in die Schule zu gehen, da die eigene Abwesenheit einen direkten Einfluss auf zahlreiche Menschen hat. Dinge wie Gesundheit oder Familie sollte man jedoch höher stellen als den Beruf. Mir persönlich hat es immer geholfen, mich mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit der Schule zu tun haben wie zum Beispiel eine Unterhaltung mit Freunden zu führen, die in einem ganz anderen Bereich arbeiten. Dann kann man mit mehr Energie in den nächsten Schultag starten.“ 

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Das Thema Traumberuf

„Ich glaube nicht an den einen Traumberuf. Mir persönlich machen viele Dinge Spaß. Grundschullehramt ist sicherlich einer meiner Traumberufe, jedoch mache ich auch andere Dinge gerne. Zum Beispiel finde ich es extrem reizvoll, andere Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen, glückliche Lehrkräfte zu werden.“

Was denkst du ...

Sollte man wissen, wo man in 10 Jahren stehen möchte?

„Nein. Zwar ist es vielleicht nicht von Nachteil, das zu wissen. Ich persönlich habe aber keine Ahnung. Das Leben spielt oft anders, als man plant.“

"Es gibt Erfolge an jedem Tag. Vielleicht habe ich es geschafft, dass ein schüchternes Kind das erste Mal mit mir spricht, oder ich habe ein Problem gelöst oder ich habe mich motiviert, zum Sport zu gehen. Ich finde es wichtig, dass man sich dabei mit sich selbst vergleicht und nicht mit anderen."
Debby

Grundschullehrerin

Der Job

Wie wird man Grundschullehrkraft?

Zunächst absolviert man ein Lehramtsstudium, was in einen Bachelor und einen Master aufgeteilt ist. Bei einigen Universitäten endet das Studium mit dem ersten Staatsexamen. Im Anschluss folgt das ca. 18-monatige Referendariat (hier gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern). Während des Referendariats werden die Kenntnisse aus dem Studium praktisch an einer Schule angewandt. Die Zuteilung zum Referendariat erfolgt innerhalb eines Bundeslandes relativ zufällig. Man kann jedoch Präferenzen angeben. Ist man durch Heirat, Kinder, Pflege von Angehörigen etc. an einen Standort gebunden, so werden die Präferenzen eher berücksichtigt. Das Referendariat endet mit dem zweiten Staatsexamen.

Was verdient man als Grundschullehrkraft?

Als angestellte Lehrkraft wird man zunächst in die Studie E11 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst eingestuft, was je nach Bundesland und Steuerklasse bei ungefähr 2400 Euro Monatsnetto liegt. Ist man verbeamtet, wird man als Grundschulllehrkraft in der Regel in die Besoldungsgruppe A12 eingestuft. Je nach Bundesland steigt das Gehalt im Laufe der Jahre an.

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit sich?

  • Lärm. Das spielt gerade als Grundschullehrkraft eine große Rolle. 
  • Wenig Routine. Jeder Tag ist anders und bringt andere Herausfordeurngen mit sich. 
  • Man muss oft die eigenen Bedürfnisse hintenanstellen können, damit man in der Lage ist, für die Kinder da sein zu können, egal wie es einem gerade geht. Die Kinder haben Priorität.

Welche Glücksmomente gibt es?

  • Die Wertschätzung und Zuneigung, die einem von den Kindern oder auch Eltern entgegengebracht wird.
  • Momente, in denen man einen Draht zu Kindern findet, mit denen es am Anfang schwierig war.
  • Lernfortschritt von Kindern zu beobachten oder zu bewirken. 
  • In den Kindern die Freude am Lernen zu entfachen. Einen positiven Unterschied zu machen.

Welche Eigenschaften sollte man als Grundschullehrkraft haben?

  • Spontanität und Flexibilität, denn es läuft immer anders als geplant.
  • Kreativität, denn man bespaßt Kinder, muss sie motivieren, für Abwechslung sorgen, das Ganze ansprechend gestalten.

Denkanstöße

Das Interview mit Debby war so inspirierend, weil sie eine authentische Begeisterung für ihren Beruf ausstrahlt. Zudem zeigt sie, dass man selbst in einem „klassischen“ Beruf – also einem Beruf mit einem definierten Berufsweg – individuellen Spielraum zur Umgestaltung und zur Anpassung an die jeweilige Lebenssituation hat. 

Durch ihre Aktivität in den Sozialen Medien ist es Debby nun möglich, ihr erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen an andere junge Lehrkräfte weiterzugeben. Besonders die anstrengende Zeit des Referendariats zu überbrücken ist zentral, um mit einer hohen Einstiegsmotivation und nicht völlig ausgebrannt in den Lehrerberuf zu starten und Debbys Impulse tragen dazu bei, dass das möglich ist. 

Damit ist Debby ein hervorragendes Beispiel für gelungenes Job Crafting, worunter man die proaktive Umgestaltung der eigenen Arbeit im Sinne der eigenen Bedürfnisse versteht.  „Ich dachte früher immer, dass ich mit Grundschullehramt nur Grundschullehrerin sein kann“, so Debby. „Doch nun habe ich gemerkt, dass das nicht stimmt.“

Social media

Hier erfährst Du mehr über Debby!

Kennst Du schon das Interview mit der Juristin Smaro Sideri? Auch sie ist ein Beispiel dafür, wie man einen der klassischen Berufe proaktiv umgestalten kann, um danach glücklicher im Beruf zu sein.

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